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Gemeinsames Förderpogramm mit Mercator Stiftung Schweiz: Digitalisierung & Demokratie (HMDD)
In einer gemeinsamen mit 4 Millionen dotierten Ausschreibung suchten die Stiftung Mercator Schweiz und die Hasler Stiftung Projekte, die die digitale Transformation der Demokratie fürs Gemeinwohl gestalten. Nun werden insgesamt fünf Projekte gefördert. Es werden keine neuen Projektbewerbungen mehr angenommen.
Neue Möglichkeiten für die politische Beteiligung, mehr Transparenz, erleichterter Zugang zu Informationen: Die Digitalisierung bringt viele Chancen für die Demokratie mit sich. Doch gleichzeitig stellen Phänomene wie der Einfluss von KI auf Meinungsbildung, ein fragmentiertes digitales Mediensystem und neue Machtkonzentrationen bei globalen Unternehmen das hiesige politische System vor neue Herausforderungen. Mit diesem Spannungsfeld setzt sich das Förderprogramm «Digitalisierung und Demokratie» der Stiftung Mercator Schweiz und der Hasler Stiftung auseinander.
Die zwei Stiftungen lancierten im Januar 2025 eine gemeinsame Ausschreibung: Sie suchten Projekte, die sich mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die Demokratie auseinandersetzen – wissenschaftlich und praxisnah. «Die digitale Transformation ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Entsprechend wichtig war es uns, die Silos von Wissenschaft und Praxis gezielt aufzubrechen. Wir wollten Teams fördern, in denen Wissenschaftler:innen gemeinsam mit Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung oder anderen Sektoren multiperspektivische Lösungen fürs Gemeinwohl erforschen und entwickeln», sagt Riccardo Ramacci, der auf Seiten der Stiftung Mercator Schweiz die Ausschreibung verantwortet.
In einem mehrstufigen Auswahlverfahren mit insgesamt über 130 Bewerbungen wurden fünf Projekte für die Förderung ausgewählt.
Fotos: Cornelia Biotti
Explainable AI for Smart Decision-Making in Swiss Referendums (smartinfo)
Das Team der Hochschule Luzern (HSLU), Universität Bern, der Berner Fachhochschule (BFH), des Vereins Politools und des Dachverbands der Schweizer Jugendparlamente (DSJ) entwickeln das meistgenutzte politische Civic Tech Tool der Schweiz , smartvote, konzeptionell und technisch weiter. Es wird untersucht, wie XAI (explainable AI) und GenAI (generative KI) dazu beitragen können, die informierte und inklusive demokratische Partizipation in der Schweizer Demokratie zu verbessern. Dabei soll eine Plattform entstehen, die die Stimmbevölkerung bei Abstimmungen berät und die Deliberation der Stimmberechtigten untereinander moderiert. Dafür wird eine generative KI genutzt, die umfassende Kriterien der Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Einhaltung des Datenschutzes erfüllt. Damit soll langfristig eine neue vertrauenswürdige Quelle zur politischen Meinungsbildung entstehen..

Projektlaufzeit: 3 Jahre
Ansprechperson: Dr. Luis Terán, Hochschule Luzern (HSLU)
Im Bild: Dominik Wyss, José Mancera, Luis Terán, Carine Hunziker und Daniel Schwarz aus dem Projektteam.
Human Machine Interaction for Democracy (HMI4D)
Das Projektteam – bestehend aus den Instituten für Wirtschaftsethik und Computer Science der Universität St. Gallen, dem Think Tank Pro Futuris, dem Zentrum für Demokratie Aarau und dem Magazin «Der Beobachter» – untersucht, wie KI-basierte Sprachmodelle deliberative Prozesse verbessern können, indem analoge Debattenformate wie Lasst uns Reden weiterentwickelt und skaliert werden. Mithilfe hunderter Einzelgespräche und Dialoge in Kleingruppen soll eine technische Umgebung für demokratische Debatten entwickelt und empirisch auf ihre Wirkung untersucht werden. Schlussendlich soll das entwickelte Tool dazu beitragen, Streitgespräche konstruktiver zu gestalten, indem es Argumente analysiert und Verbesserungen der Dialogqualität anregt.

Projektlaufzeit: 3 Jahre
Ansprechperson: Dr. Thomas Beschorner, Universität St. Gallen
Im Bild: Johannes Schöning und Alice Martin aus dem Projektteam
Ensuring Judical Consistency through AI driven Legal Reasoning
Das interdisziplinäre Team der Universität Fribourg, der Fachhochschule Fribourg und des Bundesgerichts in Lausanne beschäftigt sich mit der Rolle von künstlicher Intelligenz bei der Interpretation und Strukturierung von Gerichtsurteilen. Das Projekt kombiniert Ansätze aus Rechtswissenschaft, Informatik und KI-Ethik, um die theoretischen Grundlagen automatisierter Rechtsargumentation zu erforschen. Es entwickelt für Gerichte und Jurist:innen in der Schweiz ein KI-Tool, das es ermöglicht, transparente, vertrauenswürdige automatisierte Rechtsargumentationssysteme in Gerichten einzusetzen.

Projektlaufzeit: 3 Jahre
Ansprechperson: Dr. Sébastien Rumley, HES-SO
Im Bild: An Aixiu, Sébastien Rumley, Mark Drenhaus, und Daniel Brunner aus dem Projektteam
Defending Democracy: Protecting Public Voices from Online Hate
Das Projektteam der ETH Zürich (ETH AI Center) und der Public Discourse Foundation nimmt den Schutz vor digitaler Hassrede im öffentlichen, demokratischen Diskurs in den Fokus. Es soll untersucht werden, wie digitale Strategien und Tools Demokratiearbeiter:innen vor Online-Hass und Belästigung schützen können, ohne dabei die Meinungsfreiheit zu beeinträchtigen. Dazu werden Betroffene mit drei Strategien ausgestattet, um mehr Resilienz und Handlungsfähigkeit zu entwickeln – mit empirisch geprüfter Gegenrede, mit Filtern für Hassrede auf dem eigenen Endgerät sowie mit konkreter Rechtshilfe und Beratung. Neben der Untersuchung der Wirksamkeit dieser Ansätze soll langfristig verhindert werden, dass sich Personen aus dem demokratischen Diskurs zurückziehen.

Projektlaufzeit: 4 Jahre
Ansprechperson: Sophie Achermann, Public Discourse Foundation
Im Bild: Dominik Hangartner, Sophie Achermann und Elliott Ash aus dem Projektteam
Democracy and Media Oversight in the era of AI and disinformation (DEMO-AI)
Mitarbeitende des Idiap Research Institute, der Universitäten Lausanne und Neuchâtel sowie der Initiative for Media Initiative (IMI) und des öffentlich-rechtlichen RTS möchten mit ihrem Projekt untersuchen, inwiefern durch den Einsatz von KI-Werkzeugen die Zuverlässigkeit und Faktenbasis des Schweizer Informationssystems verbessert werden kann. Dafür entwickelt das Team technische Hilfsmittel, die Framing-Analysen vornehmen und Manipulationen an audiovisuellem Material erkennen können. Die Tools sollen Medienschaffende und Bürger:innen befähigen, manipulierende Inhalte besser zu erkennen und einzuordnen.

Projektlaufzeit: 4 Jahre
Ansprechperson: Dr. Daniel Gatica-Perez, Idiap Research Institute
Im Bild: Daniel Gatica-Perez aus dem Projektteam
Mehr zur Ausschreibung:
Background
Digital transformation and democracy are deeply interconnected, particularly with the rapid advancements in artificial intelligence (AI). This research program aims to integrate expertise from computer science, social sciences, and normative sciences such as law and ethics in the context of the current and future impact of digital transformation on democratic processes. Furthermore, it wants to promote collaboration between disciplines and other sectors, to maximize the impact of research output beyond academia. Specifically, the program wants to enable empirically grounded projects, which make use of the potential of digital transformation to improve the public good and the democratic system.
Key areas of focus include digital transformation of democratic public infrastructures, shifts in information and communication due to digital media, and the surge in democratic participation facilitated by digital formats.
Goals of the Program
The Hasler-Mercator Digitalization and Democracy program supports intersectoral research projects with societal impact in Switzerland and beyond addressing these and related challenges at the intersection of digitalization, particularly AI, and democracy. Proposals should include initiatives to enhance long-term impact, such as education, information dissemination, reception and deliberation, inclusion, diversity, policymaking, or real-life societal experiments, planned from the outset rather than as afterthoughts.
The aim of the program is to enable projects, that ideally already try to address the identified and researched challenges and implement possible solutions as a direct consequence of the research planned. They should evaluate their potential societal impact from the get go by defining impact goals ahead of the project. In doing so, they should be structured as an intersectoral collaboration between actors rooted in larger society as well as traditional academia.
The program specifically wants to promote the intersectoral collaboration between academia and civil society actors. Whilst advances in information and communication technology as well as in computer science should be at the center of all research projects, only projects between several actors aiming for impact beyond academia will be accepted.


